„Nur wacker herein“, bat der damalige Bürgermeister Adam Kiehl im August 1976 die ersten Kinder, als sie in den gemeindeeigenen Kleinbus stiegen. Unter ihnen war auch der Autor dieses Berichts. Für ihn ist die Szene bis heute eine lebendige Erinnerung an den Beginn einer Entwicklung, die sich nun zum 50. Mal jährt. Über viele Jahre steuerte Stefan Imhof aus Unter-Mossau den Bus, der die Kinder aus den fünf Ortsteilen nach Hiltersklingen und zurückbrachte. Was damals mit einer Gruppe in der ehemaligen Dorfschule begann, ist heute eine moderne Kindertagesstätte mit Krippe, Kindergarten und einem pädagogischen Konzept, das den Kindern viel Raum für Eigenständigkeit lässt. Zum 50-jährigen Bestehen wurde am Wochenende auf dem Gelände der inzwischen „Unterm Eulennest“ genannten Einrichtung kräftig gefeiert.
Beim Tag der offenen Tür kamen Kinder, Eltern, Ehemalige, Mitarbeiter, Gemeindevertreter und zahlreiche Bürger zusammen, um zurückzublicken und die heutige Einrichtung kennenzulernen.
Leiterin Judith Spilger dankte dem gesamten Kita-Team sowie den Eltern für ihre Unterstützung bei den Vorbereitungen. Besonders freute sie sich über das neu gestaltete Außengelände. Die neuen Spielgeräte würden von den Kindern bereits eifrig angenommen. Auch die Kinder selbst trugen zum Programm bei und begeisterten die Gäste mit Liedern und einem Gefühlelied.
Bürgermeister Andreas Mutschke dankte den Kindern in seiner Ansprache dafür, dass sie den Kindergarten für kurze Zeit der älteren Generation überlassen hätten. „50 Jahre, diese Zahl könnt ihr euch gar nicht vorstellen“, sagte er.
Einen mehrstündigen Lichtbildervortrag zur Geschichte habe er vorbereitet, sagte Mutschke augenzwinkernd. Der „Ältestenrat“ der Kinder habe ihn jedoch davon abgebracht.
Mutschke freute sich über die Entwicklung der Einrichtung und den neuen Spielplatz. In den vergangenen Monaten hätten Kitaleitung, Erzieherinnen und Eltern gemeinsam nach Lösungen gesucht. „Es ist noch einiges zu tun, aber wir sind auf einem guten Weg“, sagte der Bürgermeister. Auch Erste Beigeordnete Nina Schütz lobte er für ihr Engagement.
Sie kennt die Einrichtung aus eigener Erfahrung: Ab 1984 besuchte sie selbst den Kindergarten und schätzt heute besonders die Lage im Grünen und das engagierte Personal.
Wie stark sich der Kindergarten in fünf Jahrzehnten verändert hat, wurde in einem Gespräch zwischen Judith Spilger und der ehemaligen Leiterin Ute Ihrig deutlich. Ihrig stand insgesamt 42 Jahre an der Spitze der Einrichtung.
Nach dem Beschluss zur Einrichtung eines Kindergartens startete die Einrichtung 1976 mit einer Gruppe in der ehemaligen Dorfschule in Hiltersklingen. Erste Leiterin war Erna Hofreiter.1979 übernahm Ihrig die Leitung. Mit einer zweiten Gruppe stieg die Kapazität auf 50 Kinder. Der gemeindeeigene Kleinbus blieb über Jahre wichtig, zudem wurde wegen steigender Nachfrage in den 1980er Jahren vorübergehend eine Gruppe in der Mossautalhalle eingerichtet. Von 1990 bis 2015 gab es außerdem einen eingruppigen Kindergarten in Ober-Mossau.Auch der ungewöhnliche Name „Unterm Eulennest“ hat eine Geschichte. „Ein Waldkauz hat viele Jahre im Glockenturm des alten Gebäudes genistet“, erklärte Ihrig. Aus diesem besonderen Bewohner wurde schließlich der Namensgeber der heutigen Einrichtung.
Ein weiterer Meilenstein war 2013 die Eröffnung der Krippe für Kinder von eins bis drei Jahren. Damit wurden die Betreuungsmöglichkeiten erweitert und die Betreuungszeiten verlängert. 2023 folgten der Abriss des alten Schulgebäudes und der Neubau der heutigen Kindertagesstätte. 2024 konnte die Eröffnung gefeiert werden. Der Neubau bietet Raum für ein modernes pädagogisches Konzept: Ein zentraler Marktplatz, Bistro und Kinderküche, Bewegungsraum sowie Themenräume zum Bauen, Forschen und Kreativsein gehören dazu. Die Lage am Waldrand ermöglicht vielfältige Naturerlebnisse.
Pädagogische Arbeit bedeutet stetige Reflexion und Weiterentwicklung. Während anfangs nach dem Situationsansatz gearbeitet wurde, entwickelte sich die Kita seit den 2000er Jahren zunehmend zu einem offenen Konzept. Die Kinder übernehmen mehr Eigenverantwortung, verfolgen eigene Interessen und nutzen verschiedene Räume und Angebote. Auch der Austausch mit den Eltern wurde wichtiger.
Dass Erinnerungen an den Kindergarten weit über die eigene Kindheit hinausreichen, zeigte sich auch bei Tanja Lenz. Sie war ebenfalls ein „Kind der ersten Stunde“ und erinnerte sich besonders gerne an Waldspaziergänge, Schwimmbadbesuche und die Busfahrten mit Stefan Imhof.
Nach dem offiziellen Teil konnten die Gäste die Einrichtung bei zahlreichen Aktionen erleben. In den Gruppen gab es Spiele, Lieder und ein Erzähltheater. Für Speisen und Getränke war ebenfalls gesorgt.
Die Kita betreut Kinder aus allen fünf Mossautaler Ortsteilen: Ober-Mossau, Unter-Mossau, Hüttenthal, Hiltersklingen und Güttersbach. Damit ist sie längst mehr als eine Betreuungseinrichtung. Sie ist ein Stück örtliche Infrastruktur, Begegnungsstätte und Gemeinschaft – und für viele ehemalige Kinder ein Teil ihrer persönlichen Geschichte.
Rund 100 Kinder besuchen derzeit Krippe und Kindergarten. Die Krippe sei noch nicht ganz ausgelastet, sagte Judith Spilger, und würde sich deshalb über weitere Kinder bis drei Jahre freuen. Insgesamt arbeitet ein 25-köpfiges Team in der Einrichtung. Zwei Nachwuchskräfte absolvieren derzeit eine praxisintegrierte Ausbildung, außerdem ist ein Sozialassistent vor Ort. So verbindet „Unterm Eulennest“ heute die Erinnerung an die Anfänge in der Dorfschule mit einer modernen Bildungseinrichtung – und blickt nach 50 Jahren auf eine Entwicklung zurück, die eng mit der Geschichte Mossautals verbunden ist.
Autor: Dieter Berlieb